„Manche Dinge sind wichtiger als du selbst…“

Von Gustav Freudmann

Im April 2026 ist  „Eine Deutsche im Ukraine-Krieg“ erschienen: Savita Diana Wagner ging im März 2022, einen Monat nach Beginn der russischen Vollinvasion, in die Ukraine „um zu helfen“, weil: „Ich kann nicht länger hier sitzen und zuschauen.“

Bis dahin hat sie in Deutschland ein ruhiges, friedliches  Leben geführt – und Mathematik studiert.

Ihr „Fronttagebuch“ ist aus verschiedenen Quellen, aus Emails, Chats und Blog-Posts zusammengestellt und chronologisch geordnet.

Ich schreibe diesen Text, weil es mir nicht möglich erscheint, dieses Buch gelesen zu haben, ohne eine Essenz seines Inhalts, soweit ich das kann, weiterzugeben – ebenso, wie die Reflexionen, die  es bei mir bewirkt hat.

Beginnen wir mit einer Binsenweisheit: Wäre die ganze Welt wie Savita Diana Wagner, hätte dieser Krieg binnen kurzer Zeit ein Ende zum Nachteil des Aggressors genommen – oder gar nicht erst begonnen.  Warum diese Binsenweisheit? Weil die Welt eben nicht ist wie Savita Diana Wagner. Und wir alle wissen das.

Was Savita Diana Wagner tut, ist absolut außergewöhnlich und dieser Gedanke wird alle, die das Buch lesen, ebenso bis zur letzten Seite begleiten wie der direkte Vergleich mit ihr, der immer wieder zu der Frage „und was hab eigentlich ich getan?“ führt.

Dies ist kein Aufruf dazu, sich jetzt schnurstracks in die Ukraine zu begeben und dort in die Armee einzutreten. Ich hab‘s ja auch nicht getan. Diejenigen, für die das nicht nur eine Option, sondern auch die Option ihrer Wahl ist, die sind – lebendig oder tot – ohnehin dort.  Die meisten Menschen sind eben, im Unterschied  zu Savita Diana Wagner, keine Helden – solange sie nicht müssen.

Es gibt aber  Situationen, in denen es nicht mehr um heldenhafte Entscheidungen geht, wie zB als Freiwilliger unter Einsatz seines Lebens für eine gerechte Sache, oder für eine Idee zu kämpfen, sondern gar keine andere Option existiert.

„Solange die Ukraine gegen Russland kämpft, solange haben wir Frieden.“ Diese Devise widerspiegelt die harte Realität im noch friedlichen Europa und ist hier, so zynisch sie  klingen mag, weit verbreitet. Nur notdürftig verschleiert scheint sie tagtäglich durch das eine oder andere Statement europäischer Entscheidungsträger und bestimmt oft auch ihr Handeln.

Was aber, wenn die Ukraine Russland nicht mehr in Schach hielte? Dann könnte es sehr rasch dazu kommen, dass gar kein Heldenmut mehr benötigt wird, um zu kämpfen, weil dies dann nämlich wirklich als einzige Option verbliebe, um das Land, das all die Generationen vor uns aufgebaut haben, ebenso zu erhalten wie unsere kulturelle Identität, um all das zu erhalten, wofür wir ein Leben lang gearbeitet haben und vor allem – um unsere Familien zu beschützen.

Zurück also zur Frage „und was hab eigentlich ich getan?“

Diese Frage kann zwar jeder nur für sich selbst beantworten – aber es sollte vor allem einmal jeder diese Frage für sich auch stellen. Vor allem bevor sie eines Tages von anderen gestellt wird, was für jene, die noch im entsprechenden Alter sind, gar nicht  unwahrscheinlich ist. Haben wir das unsere Eltern nicht damals auch gefragt? Vergessen wir nicht: Damals – das ist heute!

Danach wird es möglicherweise nicht mehr lediglich darum gehen, was getan wurde, sondern ob  genug getan wurde. Und genau das ist mein Punkt. Solange die Ukraine diesem Aggressionskrieg ausgesetzt ist, ist nichts genug, solange es nur getan werden kann. Das gilt nicht nur für die europäischen Regierungen, die nicht genug tun, das gilt für jeden einzelnen von uns mehr oder minder genauso.

Die Frage „was können wir für die Ukraine noch mehr tun“, die sollten wir uns, solange Russland nicht geschlagen ist, immer wieder stellen.

Nun aber zu dem Buch. Als Savita Diana Wagner im März 2022 in Kyjiw ankommt, steht die von der russischen Armee teilweise umzingelte ukrainische Hauptstadt vor dem Sturm. Die junge Frau, die für ihre Reise eigens ein geländegängiges Fahrzeug angeschafft hat, übernimmt Fahrten für diverse Hilfsorganisationen und lernt dabei Straßen kennen, auf denen eigentlich kaum gefahren werden kann. Zudem hilft sie  bei der Evakuierung von Einheimischen, die Kyjiw verlassen wollen.

Sie schreibt:

„Ich kann jetzt auf Ukrainisch sagen: ‚Ich bin humanitäre Helferin aus Deutschland. Ich habe keine Schusswaffen in meinem Auto‘ und ‚Putin ist ein Arschloch‘. Wichtig für die Kontrollpunkte.“

Als sie später Journalisten bei deren Recherchereisen chauffiert, kommt sie Anfang April, kaum dass die Russen abgezogen sind, als eine der ersten nach Butscha:

„Was wir hier in den ehemals russisch kontrollierten Städten sehen und von den Menschen hören können, die noch am Leben sind … macht mich rasend. … Sie fanden am nächsten Tag ein Massengrab (Zivilisten, Männer und Frauen und Kinder). Wir fanden ganze Straßenzüge voller Leichen, die Hände hinter dem Rücken gefesselt, auf ihren eigenen Türschwellen. Massenhinrichtungen. Die Hinterhöfe wurden vermint, da war sogar eine Druckplatte einer Landmine unter einer verdammten Schaukel. Sie vergewaltigen die Mädchen, während die Eltern direkt daneben verbluten, plündern und zünden die Häuser an, präparieren die Felder und Wälder mit Drahtbomben und allem anderen – ich habe noch nicht mal richtig angefangen. Aber ich will euch nicht traumatisieren, das hier reicht, um euch einen Eindruck zu geben.“

Als eine von wenigen Freiwilligen, die über ein eigenes Fahrzeug verfügen, kommt sie im ganzen Land herum und schreibt:

„Ich würde gern sagen: ‚Macht euch keine Sorgen, wir kriegen das hin. ‘ Aber das wäre eine Lüge. Es wird langsam hässlich.“ Und: „Wo sind die verdammten Europäer, die Leute, die eigentlich eine Art Pflichtgefühl verspüren sollten? In Europa gibt es einen Krieg, was zur Hölle ist falsch mit den Leuten?“ Und: „Es gibt praktisch keine weiblichen (ausländischen) Freiwilligen in der Ukraine! Die einzigen anderen Frauen, die ich hier getroffen habe – drei – oder von denen ich gehört habe, sind sehr wahrscheinlich Journalistinnen oder vielleicht Krankenschwestern oder Ärztinnen. … Versteht mich nicht falsch. Ich kritisiere das überhaupt nicht… Ich bin nur überrascht.“

Im Mai 2022 wird sie Angehörige einer freiwilligen medizinischen Einheit (sie hat zwei Jahre Medizinstudium und eine Erste-Hilfe-Ausbildung hinter sich), die dem Militär angegliedert wird. So trägt sie erstmals Uniform und absolviert eine Ausbildung als Combat Medic.

Anfang Juli 2022 gehört sie bereits den regulären ukrainischen Streitkräften an:

„Ich kam als Freiwillige …, leistete eine Zeit lang humanitäre Hilfe, dann hatte ich es satt, nur die Symptome zu behandeln, anstatt die Ursachen der Krankheit zu bekämpfen…“

Sie ist nun Combat Medic in einem Panzerabwehrbataillon. Erstes Einsatzgebiet ist an der Kontaktlinie bei Isjum, Oblast Charkiw. Ende Juli gibt’s ein kurzes Wiedersehen daheim:

Ich musste kürzlich für ein paar Tage in die baltischen Staaten … und habe einen 2.000 Kilometer langen Umweg gemacht, um drei Stunden zuhause zu sein. Das war’s absolut wert.“

Ihre Beschreibungen der Situation an der Front bringen die Zeit wieder in Erinnerung, in der diverse gefeierte Militärfachleute prophezeiten, die Ukraine würde den Frühling 2023 nicht mehr erleben. Die Luftüberlegenheit der Russen ist nahezu total, ihre Überlegenheit bei Artilleriemunition erdrückend.

„Okay, es ist nicht mehr lustig. … Ich habe wiederholt, halb im Scherz erwähnt, dass unser ‚Motto‘ hier lautet: ‚Was zum Teufel ist Luftabwehr?‘ … weil die ‚russische Luftüberlegenheit‘ zugegebenermaßen so lächerlich extrem ist, dass man als persönlich Betroffene darüber fast nur lachen kann. Was soll man sonst auch tun, wenn einen der verdammte Himmel umbringt???!“

Als die ukrainische Armee im September 2022 die Russen aus der Oblast Charkiw vertreibt, ist ihre Einheit mittendrin.

Sie beschreibt sehr ausführlich ihre Erfahrungen im Krieg, die ständige Gefahr aus der Luft (Bomben, Drohnen), vom Boden (Minen), vom Vis-à-vis an der Kontaktlinie (Scharfschützen) – und ihre Erfahrungen mit dem Tod, der hier allgegenwärtig ist, im Laufe der Zeit so gut wie alle ihrer Kameraden ereilt, und früher oder später unvermeidlich erscheint.

Sie beschreibt die widrigen Bedingungen der Erstversorgung und Bergung von Verwundeten in Gefechtssituationen, mit den limitierten Mitteln, die im Gefecht zur Verfügung stehen, und die ständige Gefahr, in der dies vor sich geht.

„Habe ich Angst? Natürlich habe ich Angst. Aber ich habe keine Angst, im Kampf zu sterben. Aber davor, mit einer schweren Verletzung/Behinderung … oder so was zu enden. … Gefangenschaft oder Folter? Sehr viel Angst.“

Als Freiwillige, als Deutsche, als Frau bezeichnet sie sich später als „die perfekte Trophäe“ für die Russen und nimmt sich vor, dem Feind auf keinen Fall lebend in die Hände zu fallen.

Als die deutsche Bundesregierung die Lieferungen von Panzern an die Ukraine ins Endlose verschleppt („wir machen es, wenn Amerika es zuerst macht“), fällt ihr erstmals auf, dass die Deutschen für sie nicht mehr „wir“ sind, sondern „die“

„Meine Lebensphilosophie war immer, dass ich besonders nett zu Menschen sein muss, weil der Rest der Welt zu 99 Prozent aus narzisstischen Egoisten besteht, die dich bei der ersten Gelegenheit fertig machen, wenn es ihnen nützt. … Jetzt bin ich plötzlich von guten Menschen umgeben und es fühlt sich wie ein ‚Kulturschock‘ an.“

Ihr Status als ausländische Freiwillige, die im Gegensatz zu Ukrainern die Armee jederzeit aus freien Stücken auch wieder verlassen darf, führt, besonders in Momenten, in denen sie sich schwach, ausgelaugt und müde fühlt, und solche gibt es ständig, immer wieder zu Erkenntnis, dass sie doch freiwillig da ist und jederzeit gehen kann. Manche der über 20.000 ausländischen Freiwilligen in der ukrainischen Armee tun das auch. Sie nicht:

„Man könnte meinen, dass wir nicht daran erinnert werden müssen, wofür wir kämpfen, und im Allgemeinen stimmt das auch. Aber der Moment, ab dem man vergisst, warum man das tut, ist genau der, ab dem man es nicht mehr tun kann. Dann verlassen die Ausländer das Land.
Die meisten Ukrainer haben dieses Problem nicht, weil sie ihre Frauen, Kinder und Eltern irgendwo im Land haben. Sie kämpfen nicht nur für das Land sondern auch für ihre eigenen Familien. Sie kämpfen nicht nur für ‚Frieden‘ als Idee, sondern auch dafür, ihre Töchter vor Vergewaltigung und Folter durch die Russen zu schützen. Und an einen solchen Grund muss einen niemand erinnern.

Es ist ihr aber durchaus bewusst, dass auch Nichtukrainer einen guten Grund haben, am Abwehrkampf der Ukraine teilzunehmen. Sollte die Ukraine diesen Kampf nicht siegreich bestehen, würden unvermeidlich weitere Staaten das Problem des russischen Nachbarn von der Ukraine übernehmen.

 „Das ist kein ukrainisches Problem. Russland terrorisiert die Welt seit Hunderten von Jahren… In seiner gesamten Existenz hat Russland niemals Respekt für die Souveränität anderer Länder, für internationale Regeln oder Konventionen,  für Menschenleben oder Menschenwürde gezeigt. Welches Land auch immer Russland haben will, nimmt es sich einfach, welche Menschen es auch immer nicht mag, sie vernichten sie einfach oder noch Schlimmeres…
Jetzt hat sich zum ersten Mal in der Geschichte jemand – die Ukraine – nicht einfach geschlagen gegeben… Dies wäre DIE Chance für die Welt, dieses Übel loszuwerden, das uns fast alle, auch Amerika und Europa bedroht oder irgendwann einmal in der Geschichte bedroht hat.“

Im Juni 2023 erlebt sie die Katastrophe, die von den Russen durch die Sprengung des Kachowka-Staudammes ausgelöst wird, um ein Übersetzen der ukrainischen Armee über den Dnipro zu verhindern. Der Stausee läuft komplett aus, die Wassermassen überschwemmen das Land. Es heißt, 600 Quadratkilometer seien rasend schnell überflutet worden.

„Trinkwasser wird zu einem großen Problem. Außerdem gibt es offenbar Gebiete, in denen das Wasser mit eingesickerten Chemikalien verseucht ist. … Vom linken Ufer (von Russland besetzt, Anm.) bitten Menschen, die auf den Dächern ihrer überfluteten Häuser festsitzen, um Evakuierung, aber die humanitären Helfer können nur zusehen und nichts tun… Diese Dammkatastrophe ist so ein verdammter Albtraum, Leute, ihr habt keine Ahnung, was da gerade vor sich geht…“

Ihre Einheit wird dann in den Donbas verlegt. Hier ist sie nun bei der schnellen Eingreiftruppe der Kompanie und hier geht die Hölle des Stellungskrieges erst so richtig los.

„Fast alle Zivilisten sind weg, weil das Dorf nahe der Front liegt und größtenteils zerstört ist. Es gibt keinen Strom, kein Wasser, keine Geschäfte, keine Arbeit, keine Menschen, nichts, eine Geisterstadt in Trümmern, die vom Militär übernommen wurde. Aber dieser über 80-jährige Mann und seine Familie leben immer noch hier… Die Familie ist irgendwann einmal geflohen, aber zurückgekommen, nachdem ein Raketenangriff den Ort getroffen hatte, an den sie geflohen waren. Sie dachten sich, wenn sie nirgendwo sicher sind, können sie auch zuhause sein, wo sie unsicher sind.“

Sie liegt den Großteil der Zeit mit zwei anderen Soldaten in einer 4 bis 6 Quadratmeter großen Grube, nur notdürftig nach oben getarnt und abgedeckt, irgendwo zwischen Kontaktlinie und Basis. Von hier werden sie zu ihren Einsätzen gerufen, bei denen es unter Gefechtsbedingungen um die Erstversorgung und den Abtransport von im Kampf verwundeten Soldaten geht.

„Dieser Ort ist die Hölle. Ich fürchte mich vor nichts mehr, abgesehen von einer Gefangennahme, die einzige Ausnahme, das wäre der Horror. Vor nichts. Ich habe jetzt keine Angst mehr, und es kann nicht schlimmer werden, als es bereits ist. Wahrscheinlich bin ich naiv, denn es kann immer noch schlimmer kommen, wie ich schon mehrfach erfahren musste. Aber ich möchte wirklich, wirklich, wirklich nicht herausfinden, wie das diesmal aussehen würde.“

Im Sommer 2023 beschreibt sie einen Traum:

„Ich liege nachts an der Schulter meines Mannes und denke über einen mathematischen Beweis nach, an dem ich gerade arbeite, dort in Deutschland in meinem ‚alten Leben‘, als ich noch keine Ahnung hatte, was Streu- oder Pfeilmunition sind oder wie brennende Leichen riechen oder wie leicht sich jede Wunde infizieren kann, wenn man in einem Schützengraben lebt, oder überhaupt irgendetwas darüber, wie Krieg ist, und meine größten Herausforderungen darin bestanden, meine Hausarbeiten rechtzeitig abzugeben und die Katze zu füttern und bei Laune zu halten, als das Leben noch normal und friedlich und sicher war…
Gleichzeitig bereue ich meine Entscheidung, dieses Leben für die ukrainische Realität aufzugeben, nicht. So sehr ich diesen Krieg auch als Albtraum empfinde und mir manchmal wünsche, ich könnte daraus aufwachen…“

Ihre Meinung zu Krieg und Frieden ist eindeutig und einfach:

„Wenn ich mir noch einmal von einem Amerikaner oder Westeuropäer erklären lassen muss, ‚wie schlimm Krieg ist‘, vergesse ich meine guten Manieren. Verdammt noch mal… Niemand will Krieg (von wenigen Ausnahmen abgesehen), die Ukraine will diesen Krieg ganz sicher nicht und weiß besser als jeder andere auf der Welt, warum. Aber was ist so schwer daran zu verstehen, dass wir ihn nicht anders stoppen können, außer indem wir uns verteidigen? … Es gibt keine Optionen! Es gibt keine Wahl. Alles, was in der Ukraine geschieht, wird ihr von Russland aufgezwungen. … Pazifismus ist ein mit Blut erkauftes Privileg, eine Weltordnung, für deren Aufbau wir zwei Weltkriege geführt haben. Die Imperialisten lauern immer auf eine Chance, diese Weltordnung zu zerstören, so dass sie sich das nehmen können, was sie wollen (zum Beispiel Russland).“

Zu Neujahr 2024 trifft sie sich in Kyjiw mit ihrem Mann und ihrer Mutter. Die Mutter sieht ihre Tochter zum ersten Mal seit fast zwei Jahren und weiß nichts über deren Tätigkeit. Sie denkt, die Tochter sei in „sicheren“ Gefilden mit humanitärer Arbeit beschäftigt. Savita Diana Wagner beschließt gemeinsam mit ihrem Mann, dass ihr Einsatz in der Ukraine, der im März 2022 begonnen hat, nach zwei Jahren beendet werden soll.

Am 20. Jänner 2024 schreibt sie:

„Wenn ich sterben würde, möchte ich, dass alle wissen, dass ich nichts bereue. Ich möchte nicht, dass jemand denkt: ‚Armes Mädchen, wenn sie doch gewusst hätte, worauf sie sich einlässt…‘ Ich weiß genau, was ich tue und habe mich dafür entschieden. Oder: ‚Die Ukraine hat sie getötet.‘ Nicht die Ukraine, sondern die Russen. … Ich hoffe, dass ich diesen Krieg überleben werde, aber wenn nicht, möchte ich, dass alle wissen, dass es meine eigene Entscheidung war, dieses Risiko einzugehen, und dass ich bis zu meinem letzten Atemzug dazu stehe. Denn manche Dinge sind wichtiger als du selbst.“

Es gibt kein Happy End: Savita Diana Wagner ist vor etwas mehr als zwei Jahren, am 31. Jänner 2024, „im Einsatz getötet“ worden, wie es im Buch heißt, das von ihrem Ehemann und ihrer Mutter zusammengestellt und herausgegeben wurde:

„Ein Splitter einer 120-mm-Mörsergranate durchschlug eine Arterie in ihrem Hals, woraufhin sie schnell das Bewusstsein verlor und fiel.“

Savita Diana Wagner hat bei ihren Einsätzen vielen Menschen das Leben gerettet. Sie wurde in Kyjiw in der Allee des Ruhmes beigesetzt. Ihre Hinterbliebenen haben auf dem Kyjiwer Maidan eine Fahne mit ihrem Portrait und ihrem Namen beim Mahnmal für die Gefallenen des Krieges hinzugefügt.

Eine Deutsche im Ukraine-Krieg
Das Fronttagebuch der Savita Diana Wagner
Herder, April 2026, 253 Seiten, EUR 18,–

Über Savita Diana Wagner (Wikipedia)

Ukraine: Ein Engel aus Deutschland (Reportage auf Arte)

Also muss ich überleben (Reportage von Deutschlandfunk)