Galați
Von: Redaktion
Russland hat in der vergangenen Nacht mit einer Drohne die rumänische Stadt Galați an der Grenze zu Moldau und der Ukraine angegriffen und dabei ein Wohnhaus zerstört. Es gibt Verletzte.

Dieser „Vorfall“ ist der bisher letzte, aber auch aufsehenerregendste einer inzwischen langen Reihe solcher „Vorfälle“ in an die Ukraine angrenzenden Gebieten von Rumänien bis Estland. Bisher reduzierte sich der Kommentar Russlands stets auf die vier Worte: „Wir waren das nicht“, während die Strategie der NATO stets auf die Bemühung hinauslief, die Vorfälle möglichst kleinzureden und nicht an die große Glocke zu hängen. Das wird nun wohl nicht mehr so einfach sein.
Vorab zum Thema „Wir waren das nicht“: Russland hat seinen durch nichts zu rechtfertigenden Angriff auf die Ukraine aus freien Stücken begonnen und ist für alles, was in und rund um diesen Krieg geschieht, zu einhundert Prozent alleinverantwortlich. Dass mit „Russland“ nicht lediglich ein paar Entscheidungsträger der russischen Regierung und seiner Armee gemeint sind, sollte auf der Hand liegen. Dies nur zur Einordnung.
Ansonsten: „Wir waren das nicht“ ist zumindest seit vielen Jahrzehnten der Kommentar Russlands zu jedem seiner ruchbar gewordenen Verbrechen, egal ob es nun das zaristische Russland war, oder Sowjetrussland, oder wie seit über zwanzig Jahren Putinrussland. Und leider ist Russland damit immer gut gefahren.
Exemplarisch sei an das Massaker von Katyn erinnert, bei dem 1940 zigtausende polnische Armeeangehörige durch den russischen NKWD ermordet und verscharrt wurden. Dies wurde ausgerechnet durch die Deutsche Wehrmacht publik gemacht, nachdem diese die Massengräber 1942 entdeckt hatte.
Prompt kamen als russische Reaktion die vier hier schon mehrfach zitierten Worte, obwohl die Beweislast erdrückend war. Während die polnische Regierung, die sich in London im Exil befand, danach eine künftige Zusammenarbeit mit Russland kategorisch ausschloss, ließen die Westalliierten das verbündete Polen über die Klinge springen und taten, was auch heute noch so gut funktioniert: In Verfolgung höherer Interessen ließen sie keinerlei Eskalation zu und so dauerte es bis zum Jahr 1990, bis Russland damit aufhören musste, dieses Verbrechen der deutschen Seite in die Schuhe zu schieben und offiziell seine Täterschaft am Massaker gestand. Bis dahin war allein die Erwähnung Katyns sakrosankt und führte sofort dazu als Nazisympathisant oder gar als Nazi abgestempelt zu werden. Nicht nur in Russland übrigens. Kommt uns das heute irgendwie bekannt vor?
Inzwischen ist die russische Tagespolitik allerdings längst dazu übergegangen, dieses Eingeständnis einfach konsequent zu verschweigen, ganz als ob es niemals erfolgt wäre, und das Massaker wieder als deutsches Kriegsverbrechen hinzustellen.
Summa summarum:
- „Wir waren das nicht“.
- Und wenn wir es doch waren, dann
- Siehe Punkt 1.
Ob die NATO angesichts des gestrigen „Vorfalls“ ihre Strategie der Nichtbeachtung und Nichteskalation fortführen will und kann, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Dass es auf Dauer nicht ausreicht, besorgt zu sein, sollte inzwischen allerdings kaum noch bezweifelt werden.
In diesem Zusammenhang sei auch noch darauf hingewiesen, dass dieses Besorgtsein nicht ganz zufällig ganz genau das ist, was Russland durch diese Art der Kriegsführung erreichen will: Besorgte Menschen in ganz Europa, deren Regierungen bereit sind, alles zu tun, damit „der Konflikt“ auf die Ukraine begrenzt bleibt, so dass Russland seinen Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die Ukraine ungestört fortsetzen kann.
