Stimmen über dem Schnee – Ein Abend voller Poesie, Ehrlichkeit und Tiefe

Von Oksana Stavrou

Stimmen über dem Schnee, 6 Mai 2026: Halyna Petrosanyak, Konstantin Kaiser, Oksana Stavrou (Bezirksmuseum Neubau). Foto: Hildegard Stöger
Stimmen über dem Schnee, 6 Mai 2026: Halyna Petrosanyak, Konstantin Kaiser, Oksana Stavrou (Bezirksmuseum Neubau). Foto: Hildegard Stöger

Gestern (am 6. 5. 2026, Anm.) durfte ich in Wien die Lesung der ukrainischen Dichterin der Gegenwart Halyna Petrosanyak auf Einladung des österreichischen Exilforschers und Lyrikers Konstantin Kaiser moderieren.

Halyna schafft es scharfsinnig, komplizierte vielschichtige Phänomene auf einige wenige schlichte, emotional berührende Zeilen zu komprimieren. So heißt auch ihre letzte Gedichtsammlung „Kompression“, ist 2025 auf Ukrainisch erschien und wird hoffentlich bald auch auf Deutsch genossen werden können.

In scheinbar alltäglichen Szenen und individuellen Entscheidungen offenbaren sich die ewigen Fragen nach Menschlichkeit, Zerbrechlichkeit und Integrität.

Gedichte wie „Verluste im Krieg“, „Europa wurde nicht vom Stier geraubt“, „Du liegst zerrissen“, „Neutralität“, „Du sollst dich nicht wehren“ (letzteres aus dem Gedichtband „Exophonien“ auf Deutsch) öffneten gestern die Tür zur Diskussion über die ethische Wahl und Verantwortung angesichts des Unrechts, der Verbrechen und des Victim Blaming, „Tolstoewski“ bzw. russische Kultur als Waffe und imperialistische Muster der Vereinnahmung fremder Kulturen, über den Bruder-Mythos als Überlegenheitsanspruch und über Dekolonisierung.

Konstantin Kaiser trat in einen poetischen Dialog über die aufgeworfenen Fragen mit seinem „Winter-Gedicht“, das er auf Deutsch und Halyna in ihrer Übersetzung auf Ukrainisch vortrug. Konstantin hat dieses Gedicht mir gewidmet – für mich eine besondere Ehre und auch Freude, es nun vom Dichter selber hören zu dürfen.

Die Vorstellung, dass ein starker Mann kommt, alles zurechtrichtet und einen neuen Menschen erschafft, gipfelt immer in Gewalt und Verfall. Wer über die Geschichte nicht reflektieren und bequeme Glaubenssätze nicht ablegen will, macht sich zum Werkzeug zum Schaden seiner Nächsten.

Die Gastfreundschaft von Monika Grußmann vom Bezirksmuseum Neubau, die nette Anmoderation und der Büchertisch von Sonja Pleßl von „Zwischenwelt International“ und viele interessierte Gäste vervollkommneten den Abend.

Zwischenwelt International dankt Oksana Stavrou für die sachkundige Moderation und die erhellenden Statements zu wichtigen Fragen aus dem Publikum!

Der Bericht von Oksana Stavrou wurde von der Autorin am 7. Mai 2026 auf ihrer Facebookseite https://www.facebook.com/oksana.stavrou veröffentlicht. Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Wir danken der Lyrikerin und Übersetzerin Halyna Petrosanyak für einen Abend mit Gedichten, wie man ihn selten erlebt, und freuen uns auf Fortsetzung!

Herzlichen Dank allen SpenderInnen für ihren Beitrag für die Ukraine im Widerstand, 170 Euro konnten an den Verein für weltweite Nothilfe überwiesen werden. Dieser ist Teil der Initiative zur Versorgung der nahe der Front lebenden ukrainischen ZivilistInnen, die mit Hilfe ukrainischer Vampirdrohnen ua mit Proteinriegeln aus Österreich versorgt werden.