Gedenken an die März/April 1945 bei der Befreiung Wiens gefallenen ukrainischen Soldaten

Von: IG Österreicher:innen für die Ukraine

Aus: „Österreichische Zeitung“, 15. 4. 1945

Am 9. Mai jährt sich die Befreiung Wiens vom Nationalsozialismus zum 81. Mal. Die private Initiative IG Österreicher:innen für die Ukraine gedenkt aus diesem Anlass des ukrainischen Beitrags daran mit einer Kranzniederlegung um 10.30 Uhr am Schwarzenbergplatz, zu der wir Sie herzlich einladen.

Am Samstag, den 9. Mai findet von 10:30 bis 12:00 Uhr am Wiener Schwarzenbergplatz vor dem „Heldendenkmal“ eine Kranzniederlegung zum Gedenken an den ukrainischen Beitrag zur Befreiung Wiens vom Nationalsozialismus statt. Diese wird initiiert von der privaten Initiative IG Österreicher:innen für die Ukraine.

Wo Geschichte verfälscht oder verzerrt dargestellt wird, spielt gelebte Erinnerungskultur eine entscheidende Rolle. Das gilt auch für die alljährlichen russischen Feierlichkeiten am 9. Mai am Wiener Schwarzenbergplatz. Diese Veranstaltung wird nicht nur vor allem zu propagandistischen Zwecken im Angriffskrieg gegen die Ukraine missbraucht. Es wird auch auf dreiste Weise ein russischer Alleinanspruch auf die Befreiung Wiens vom Nationalsozialismus erhoben, obwohl der damalige Blutzoll von allen ehemaligen sowjetischen Teilrepubliken gemeinsam getragen wurde. Als private österreichische Initiative wollen wir in diesem Jahr ausdrücklich die maßgebliche Beteiligung ukrainischstämmiger Angehöriger der Roten Armee hervorheben, die bewusst negiert und verschwiegen wird.

Aus: „Österreichische Zeitung“, 15. 4. 1945

Der Hintergrund:

Seit Putins Herrschaft wird das Gedenken an die Befreiung vom Nationalsozialismus zunehmend für die politische Kommunikation des Kremls instrumentalisiert. Im Zentrum der Gedenkveranstaltungen am 9. Mai steht der Marsch des „Unsterblichen Regiments“. Was ursprünglich als persönliche Ehrung von Familienmitgliedern gedacht war, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatten, hat sich zu einem propagandistischen Instrument staatlich gelenkten Patriotismus entwickelt.

Bei den Märschen geht es weniger um die Bewahrung individueller Erinnerungen als vielmehr darum, staatlich geprägte Narrative zu verbreiten, beispielsweise den Sieg über den Nationalsozialismus in erster Linie als russische Errungenschaft darzustellen und die Opfer anderer Beteiligter herunterzuspielen. Ukrainerinnen und Ukrainer werden dabei nicht gewürdigt, obwohl sie im Zweiten Weltkrieg rund acht Millionen Menschen verloren und nach Weißrussland den zweithöchsten Blutzoll in Relation zur Bevölkerungszahl aller ehemaligen Sowjetrepubliken trugen.

Besonders brisant ist, dass die Wiederaufnahme der Märsche mit einer konkreten, von oben verordneten Anweisung verbunden ist: Putins Regierung hat die Organisatoren angewiesen, die Parallelen zwischen der „militärischen Sonderoperation“ in der Ukraine und dem „Großen Vaterländischen Krieg“, wie der Zweite Weltkrieg in der russischen revisionistischen Geschichtsschreibung bezeichnet wird, hervorzuheben.
(Quelle: https://meduza.io/en/feature/2025/01/16/different-generations-fighting-fascism)

Der Einsatz von Ukrainerinnen und Ukrainern gegen den damaligen Nationalsozialismus verdient ebenso unsere Anerkennung wie ihr heutiger Kampf gegen den aggressiven russischen Imperialismus. Um den ukrainischen Opfern bei der Befreiung Wiens zu gedenken, die die russische Führung systematisch ignorieren möchte, wollen wir sie am 9. Mai ab 10.30 Uhr bewusst hervorheben und ehren – mit einer Kranzniederlegung und Gedenkveranstaltung beim „Heldendenkmal der Roten Armee“ am Wiener Schwarzenbergplatz.