Von Sonja Pleßl, Konstantin Kaiser
Aus dem Logbuch
Alle die, die heute ohne Skrupel behaupten, gerade jenes Volk, das Opfer eines historisch singulären Völkermordes geworden ist, begehe Völkermord im Krieg gegen die Hamas, berufen sich ständig auf die Behauptungen anderer, gleich ihnen Skrupelloser.

Es ist eine Massenbewegung, die ihre Lüge aus sich selbst generiert, sie sich aus ihrer Massenhaftigkeit beweist. Es ist der geistige Erdrutsch eines im Stillen aufgehäuften Antisemitismus, der sich anstellt, als wären ihm eben erst die Augen aufgegangen, die er angesichts der Verbrechen der Hamas fest verschlossen hat, angesichts der bis zum bittersten Ende fortgesetzten Geiselnahme, des Einsatzes von Kindern und Frauen als lebendige Schutzschilde, der Benutzung von Schulen, Moscheen und Krankenhäusern als militärische Stützpunkte, der Beteiligung von als Zivilisten Verkleideten an den Kämpfen, der willkürlichen Hinrichtungen Widerstrebender… All die Verbrechen, die die Hamas fortgesetzt verübt hat und weiter verübt und die die Zahl der Kriegsopfer entscheidend anschwellen ließen, bleiben außer Acht. Vernünftiger Einrede, die sich auf geltendes Völkerrecht beruft und hinweist, dass Vertreibung und Vernichtung der Bevölkerung des Gazastreifens nicht israelische Kriegsziele waren, sondern die Befreiung der Geiseln und die Zerschlagung der Hamas, werden die auf fragwürdigen Berechnungen beruhenden Opferzahlen entgegengehalten. Sie stünden in keinem Verhältnis zur Anzahl der israelischen Opfer.
Doch ging es in dem israelischen Krieg gegen die Hamas nicht um Rache, sondern um die Möglichkeit, die Täter zu bestrafen und die Beseitigung einer die Existenz Israels bedrohenden Gefährdung durch eine Organisation, die ihrerseits den Völkermord an Israel und an den Jüdinnen und Juden überhaupt auf ihre Fahnen geschrieben hatte.
Wie sie sich das vorstellte, hatte sie am 7. Oktober 2023 gezeigt, als die Hamas im Pogrom eine globale Scheidewand zwischen „Menschen“ und „Juden“ errichten wollte. Die Reaktion Israels darauf bedeutete bei aller Härte Wiederherstellung des Menschenrechts – des Rechts, überhaupt Mensch zu sein! -, folgte der unabweislichen Notwendigkeit, nicht den geringsten Anschein einer wie immer begründeten Beschönigung und Duldung der Verbrechen vom 7. Oktober zu erwecken. Diesen Kampf führte Israel nicht allein für sich selbst, sondern für die Zukunft der Menschheit. Eine Zukunft, in der zwischen „Juden“ und „Menschen“ eine Scheidewand steht, ist die Hölle, die weitere Höllen erschafft.
Mag man die unverantwortlichen Völkermord-Bezichtigungen noch auf Unwissenheit und damit einhergehende dumpfe Judenfeindlichkeit zurückführen, so sitzt man, wenn man die Hamas und ihre Verbündeten als für die „Befreiung Palästinas“ zu kämpfen vermeint, einer glatten Lüge auf. Hier ging und geht es durch die Propaganda des Terrors darum, die islamofaschistische Herrschaft über den Gaza-Streifen, die im Begriff war, in zunehmende Schwierigkeiten zu geraten, zu konsolidieren und auszudehnen.
Dass solcher Terror zu einer Befreiung beitragen könnte, widerspricht jeder Erfahrung. Eine Bande von aus Teheran ferngesteuerten Massenmördern, die eine Gewaltherrschaft über PalästinenserInnen ausübt, ist keine Befreiungsbewegung.
Die Behauptung, es wäre am 7. Oktober um die Befreiung Palästinas gegangen, ist eine die ganze Aufregung über die Kriegsführung Israels durchherrschende Lüge.
