Heute vor 83 Jahren: „Operation Erntefest“

Heute vor 83 Jahren wurde die „Aktion Reinhardt“ abgeschlossen – mit der Ermordung von mehr als 40.000 Juden am 3. und 4. November 1943. Der Massenmord wurde von den Nationalsozialisten unter dem Codenamen „Operation Erntefest“ geplant und verübt.

Bei der „Aktion Reinhardt“ wurden binnen nicht ganz eineinhalb Jahren alle Juden und Roma des sogenannten Generalgouvernements (GG, das war jener Teil des besetzten Polens, der nach dem deutsch-sowjetischen Überfall weder vom Deutschen Reich, noch von der UdSSR annektiert wurde und der sich unter deutscher Verwaltung befand), an die 1,8 Millionen Menschen, in Tötungslagern, hauptsächlich Bełżec, Sobibor, Majdanek und Treblinka ermordet.

Vorausgegangen war der “Operation Erntefest” ein Aufstand von ca. 600 in der Tötungsanstalt Sobibor beschäftigten Häftlingen im Oktober 1943, der von der SS blutig niedergeschlagen wurde. Unter den Aufständischen gab es ca. 50 Überlebende. Auslöser des Aufstandes könnte gewesen sein, dass den Häftlingen bewusst war, dass sie die bevorstehende Schließung der Tötungsanstalt nicht überleben würden.

Den Befehl zur Ermordung der letzten verbliebenen Juden des GG erteilte Friedrich-Wilhelm Krüger, der verlängerte Arm von „Reichsführer SS“ Himmler im GG. Als Grund für die Operation wird angenommen, dass es im nationalsozialistischen Regime nach der jüngsten Welle jüdischer Aufstände in den Ghettos von Warschau und Białystok sowie dem Häftlingsaufstand in Treblinka im August 1943 große Nervosität und Besorgnis gab.

Die für die Aktion benötigten Massengräber mussten bereits Ende Oktober von Häftlingen angelegt werden. Ihnen war gesagt worden, bei den Aushüben handle es sich um Splitterschutzgräben zu Luftschutzzwecken.

Bereits am 3. November begann das Morden, das in der Hauptsache von deutschen Polizeikräften, etwa 3.000 an der Zahl, durchgeführt wurde. Die Häftlinge mussten sich vor den ausgehobenen Gruben entkleiden, mit dem Gesicht nach unten hineinlegen und wurden per Genickschuss ermordet. Während den Massenerschießungen wurden über Lautsprecher Märsche und Walzer abgespielt. Sie sollten den Lärm der Schüsse übertönen. 17.000 Tote gab es bereits am 3. November und das Morden setzte sich am darauffolgenden Tag fort. Am Ende gab es in Maidanek 18.000, im Poniatowa 14.000 und in Trawniki 10.000 Menschen Ermordete.

Die SS ließ etwa 400 Juden als „Sonderkommando“ am Leben. Die Frauen mussten die Habe der Erschossenen sortieren. Die Männer wurden gezwungen, den Opfern die Goldzähne zu ziehen und die Toten anschließend auf Roste zu legen und zu verbrennen. Tagelang lag Geruch der verbrannten Leichen über dem Distrikt Lublin.

Die Angehörigen der Sonderkommandos wurden danach ebenfalls erschossen, nur vier konnten entkommen. Einer von soll noch in Lublin die Befreiung Polens vom NS-Regime erlebt haben.

Der Kommandeur der Aktion, der deutsche Polizei-Generalleutnant Jakob Sporrenberg, wurde 1950 in Polen zum Tode verurteilt und hingerichtet. Himmler und Krüger begingen 1945 in US-amerikanischer Gefangenschaft Selbstmord.