Von Halyna Petrosanyak
Kolonialisierte
besitzen
in den Augen
der wohlinformierten Welt
selten nur Eleganz und Charme, sind‘
eher etwas
fürs Mitgefühl
Anfänglich
sind sie scheu
und können kaum sprechen,
geschweige denn
widersprechen.
Sie wollen wachsen
und machen es auf eigene Art:
Die Sprache der Kolonisatoren
beherrschen sie bald
besser als die
ihres eigenen Landes
tragen mit aufblitzendem
Ahnen des Gewesenen den Fluch
als Segen.
Die Verdammten
dieser Erde,
sie ziehen eine Maske über
die ihren Marktwert
erhöht
und ihre
Brandmarkung
vertieft.
„Das Böse ist banal“,
sagte der heilige Augustinus.
Was?
Sind das nicht die Worte
Hannah Arendts?
Nun, tatsächlich:
Zur Zeit des heiligen Augustinus
gab es das Wort
„banal“ noch nicht.
(Und zur Zeit Hannah Arendts
verschwand das Wort
„Sünde“, daher
kann von unserer
Neigung dazu
keine Rede sein.)
Ob Augustinus oder Hannah –
nicht so wesentlich.
Das Böse ist banal.
Wir neigen dazu.
Wenn man sich damit abfindet,
kann man in Schwierigkeiten geraten.
Moskauer –
Professoren,
Ingenieure,
Ärzte,
Juristen,
Lehrer,
Künstler,
liebende Familienväter, getreue Söhne und Töchter,
Liebhaber der Musik,
Malerei und Literatur –
verfolgen schweigend,
das tägliche Töten
von Ukrainern
in ihrem Namen
