Heute, am 18. Mai, erinnern die Krymtataren die ganze Welt an den Beginn ihrer Vertreibung am 18. Mai 1944 und den damit verbundenen Völkermord durch Sowjetrussland, eine Woche nach der endgültigen Rückeroberung der Krym durch die Rote Armee.


Lesen Sie dazu bitte den Text der deutschen Historikerin Franziska Davies (@efdavies.bsky.social).
Man geht davon aus, dass in wenigen Tagen um die 200.000 Menschen krymtatarischer Herkunft, vorwiegend Kinder, Frauen und Alte nach Zentralasien deportiert wurden, von denen geschätzte 20 bis 45 Prozent die Ankunft im tausende Kilometer entfernten Usbekistan, in anderen zentralasiatischen oder ostasiatischen Sowjetrepubliken gar nicht erlebten. Im Vernichtungsbefehl Stalins hieß es: „Alle Tataren sind aus dem Gebiet der Krim zu vertreiben und dauerhaft als Sondersiedler in die Regionen der Usbekischen SSR umzusiedeln. Die Umsiedlung wird dem sowjetischen NKWD übertragen. Der sowjetische NKWD (Genosse Beria) soll die Umsiedlung bis zum 1. Juni 1944 abschließen.“
Tatsächlich erfolgte der Großteil der Deportation binnen dreier Tage, vom 18. bis zum 20. Mai 1944. Dabei wurden vom NKWD an die 25.000 Soldaten eingesetzt, was deutlich zeigt, dass die Aktion bereits lange geplant war. Damit war die ethnische „Säuberung“ der Krym allerdings noch nicht abgeschlossen, es folgten noch die Deportationen der dort ansässigen Armenier, Griechen, Deutschen und Italiener (Quelle: Wikipedia).
Stalin zielte auf eine rein russische Krym ab, allenfalls auch von Ukrainern und Belarusen besiedelt.
Völkern des Kaukasus erging es nicht besser. Es sei hier bloß auf Kalmyken (Kalmücken) sowie Noxçiy (Tschetschenen) und Ğalğay (Inguschen) verwiesen.
Die überlebenden Krymtataren, die sich mit ihrer Vertreibung nicht abfanden und die in der UdSSR eine permanente Quelle des Widerstandes und der Unruhe darstellten, wurden 1967 durch den Obersten Sowjet zwar vom Vorwurf des „kollektiven Verrats“ freigesprochen, die Rückkehr in ihre Heimat wurde ihnen jedoch erst mehr als zwanzig Jahre später (1989 unter Gorbatschow) gestattet. Eine Grafik der oben zitierten Wikipediaseite zeigt anschaulich, dass es den Krymtatataren seither nicht gelungen ist, über den Status einer Minderheit im eigenen Land hinauszuwachsen.
Dies insbesondere weil durch die russische Annexion der Krym im Jahr 2014 eine neuerliche Welle der Unterdrückung und Vertreibung begann, die bis heute anhält und ihr Ende erst mit der Vertreibung der russischen Okkupanten finden wird.
Der 18. Mai sollte uns daran erinnern, dass Deportation, Vernichtung durch Sklavenarbeit und die damit versuchte Auslöschung ganzer Völker sich nicht auf den Einflussbereich des Dritten Reichs beschränkten, oder etwa 1945 mit der Zerschlagung des Hitler-Regimes ihr Ende fanden. Diese Erkenntnis sollte endlich Einzug ins kollektive Bewusstsein Westeuropas finden, während es einer solchen Mahnung in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas, speziell in Estland, Lettland, Litauen, der Ukraine, Polen und Rumänien wohl kaum bedürfen wird.
Lesen Sie dazu bitte auch die heutige Veröffentlichung von United24.
