Von Konstantin Kaiser
Angesichts des am 7. Oktober 2023 Geschehenen und in Vergegenwärtigung der mit besonderer Bestialität von der Hamas ermordeten israelischen Kinder

Die völlige Entmoralisierung erweist sich in der skrupellosen Ermordung von Kindern. Die Kinder zu schützen ist aber die Grundlage der menschlichen Moral. (Verwunderlich, dass alle die um die Ethik, die Werte, das Gute, das Böse Geschäftigen nicht einfach davon ausgehen.) Wesentlich dabei ist nicht die sogenannte Unschuld der Kinder, sondern ihre Schutzbedürftigkeit, auch gegen Pädophagie, die Notwendigkeit, über eigene Bedürftigkeit hinauszugehen, um zum Lebenserhalt eines Kindes beizutragen. Um die Aufgaben, die sich in Zusammenhang mit den Kindern stellen, bildet sich so etwas wie eine moralische Sphäre oder, wenn man so will, Blase, in die eine Gruppe von Menschen mit ihren Bedürfnissen, Wünschen, Notdürften, Tätigkeiten und Begierden einbezogen ist, sich wechselseitig ergänzend, hemmend und fördernd, liebend und verabscheuend.
Dem entsprechend weist Alexander N. Jakowlew, in seiner Abrechnung mit dem Bolschewismus die Unmenschlichkeit der Parteigänger Lenins an der grausamen Behandlung der Kinder von politisch Verfolgten nach. Sie gelten als „Sozial gefährliche Kinder“. Im Umgang mit ihnen entlarvt sich die Entmoralisierung der bolschewistischen Ideologie. Jakowlew meint: „Ein ‚Lackmustest‘ für jede Regierung, mag sie sich noch so verstellen, ist ihre Behandlung der Kinder … Die Strafmaßnahmen gegen Kinder kennzeichnen den Tiefpunkt der Unmenschlichkeit unter dem bolschewistischen Faschismus.“
Jakowlew schildert die Behandlung der bei Großeltern oder auf der Straße zurückgelassenen Kinder in die Straflager deportierter Mütter und Väter, ihr Leiden in Waisenhäusern und Säuglingsheimen, die planmäßige Zerstörung ihrer Identität und ihre Indoktrination, eine bis heute ungebrochene Praxis, denkt man nur an die mehr als 20.000 aus den besetzten Gebieten der Ukraine geraubten Kinder. Die Bolschewiki exekutierten Kinder auch im Rahmen von Geiselerschießungen und ermöglichten 1935 ihren Standgerichten, sogar die Todesstrafe über zwölfjährige Kinder zu verhängen.
Kinder starben massenhaft und überdurchschnittlich häufig im Gulag und in den Kinderheimen, Kleinkinder überlebten nicht den Transport in die sibirischen Verbannungsorte.
Die Behandlung der Kinder ist für Jakowlew exemplarisch für das Menschheitsverbrechen des Bolschewismus, führt zugleich aber vor Augen, dass die Behütung und Sorge für die Kinder Grundlage und Ausgangspunkt menschlicher Moral ist und daher auch eine Sphäre, in der die Lüge mit besonderer Vehemenz und Beharrlichkeit betrieben wird.
Die sowjetischen Arbeits- und Straflager vernichteten die Grundlagen jeglichen moralischen Verhaltens durch die absolute Willkür, der die Häftlinge ausgesetzt waren. Die tagtägliche Routine, sich nicht vom Mitleid am Ende niederdrücken zu lassen, das auszuckend Moralische, die sogenannten Skrupel vom Fortgang des Sachlichen zu trennen, als wäre die Höchststrafe auf Mitleid ausgesetzt, schafft die Grundlage für die unfassbare Bestialität der Soldateska. Ihre Empathielosigkeit und sklavische Willfährigkeit sind der ganze Erfolg sozialistischer Erziehung in Jahrzehnten der Gewaltherrschaft.
Sie lebten unter der gespenstischen Herrschaft einer von der Nomenklatura verwalteten und funktionalisierten „historischen Notwendigkeit“. Die Notwendigkeit, von der der Totalitarismus, wie ihn Hannah Arendt beschreibt, getrieben scheint, hat ihren Ursprung in der Exterritorialisierung und Unterdrückung eines jeden Widerspruchs. Der Totalitarismus zeugt sich darin in fruchtlosem Kreislauf fortwährend selbst. Diese totalitäre Tendenz ist auch schon im Behaupten einer immerzu gefährdet scheinenden Normalität auszumachen. Dass ein Günther Anders dem vielgerühmten Hölderlin-Satz „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ nichts abgewinnen konnte, hat wohl damit zu tun.
Anmerkung: Kaum hatten die IDF nach dem 7. Oktober 2023 begonnen zurückzuschlagen, wurden Horrorzahlen von Tausenden getöteten palästinensischen Kindern in Umlauf gebracht. Sie fanden keinen Schutz in den Tunneln. Der war den Kämpfern vorbehalten, nicht ihren lebenden Schutzschilden. – Dies angemerkt unter dem Vorbehalt, dass sich die ganze Opferstatistik der Hamas immer mehr als eine prozessierende Lüge herausstellt. Die gegen das mit der Hamas eng verbundene Mullah-Regime im Iran Protestierenden missbrauchten ihre Kinder nicht als Schutzschilde. Zehntausende kamen in der Nacht vom 8./9. Jänner 2026 ums Leben.
