Von Konstantin Kaiser
Über einen Vortrag von Ihor Zhaloba am 26.2.2026, im Haus der Heimat.
Veranstaltet von Paneuropa Österreich.

Ihor Zhaloba spricht als Angehöriger der ukrainischen Armee über Spezifika der ukrainischen Kriegsführung in diesem Winter, in dem der Kältekrieg alle Gedanken der Menschen beherrscht.
Der Kampf mit und gegen Drohnen war bis 2024 sein spezieller Aufgabenbereich.
Dazu trifft er einige bemerkenswerte Feststellungen.
Fahrten in Frontnähe mit Pickups seien nicht mehr möglich. Man brauche unbedingt gepanzerte Fahrzeuge.
Weil man sich an der Front Verschmutzung aus hygienischen und prophylaktischen Gründen nicht leisten könne, werde aller Müll eingesammelt und zur Entsorgung ins Hinterland gebracht.
Ihors selbständig operierende Drohnen-Einheit bestand nur aus drei Personen.
Dass die NATO nun ukrainische Technik und Taktik übernimmt, ist eine Bedrohung für die Russen.
Erst seit Frühjahr 2024 hat der ukrainische Staat Drohnen-Ausrüstung für die Armee gekauft. Bis dahin hat Ihors Brigade alles selbst gekauft mit Spendengeldern und Sammelaktionen in den Herkunftsregionen der SoldatInnen, sowie Spenden von Freunden im Ausland. Zhalobas Vortragsreisen dienen jetzt demselben Zweck.
Wenn Kriegsmaterial auf dem Dienstweg beschafft werden muss, dauert das oft zu lange. Am Ende konnte es sein, dass mittlerweile militärtechnisch bereits überholtes Material geliefert wurde. Daher auch suchen die kämpfenden Einheiten den direkten Kontakt mit den Waffenproduzenten, denen sie ihre Anforderungen mitteilen können.
Seit September 2024 allerdings erhalten die Brigaden vom Staat Subventionen zur freien Verfügung auf ihre Konten. Jetzt werden direkt bei den Produzenten bestellte Drohnen oft schon binnen eines Tages geliefert.
Neu entwickelt wurden zuletzt Programme zur „Mission Control“(Rückmeldung der Ergebnisse des Einsatzes) und zur digitalen Steuerung von Drohnen-Verbänden.
Die sogenannte Todeszone an der Front war früher fünf bis sieben Kilometer tief, jetzt sind es 20 bis 30 Kilometer. Infolgedessen kommt es zu infanteristischen Gefechten fast nur mehr mit kleinen russischen Trupps. Die Todeszone wird sich noch auf 70 Kilometer erweitern. Das bedeutet ein gläsernes, durchsichtiges Gefechtsfeld, auf dem jeder von jedem gesehen werden kann. Das bloße Verlassen der Deckung bietenden Stellung zur Verrichtung der Notdurft bedeutet jedes Mal Lebensgefahr, von Stellungswechsel nicht zu reden.
Wiederholt unterstreicht Zhaloba:
Entscheidend sind letztlich der schöpferische Geist und das klare Bewusstsein, warum man das alles tut.
„Wir sind“, sagt Zhaloba, „stark geworden in den vier Jahren Krieg.“ Er betont, nicht dumpfes Gehorchen ist gefordert, sondern Wachheit, Initiative, technische Fertigkeit, Mechatronik, der ganze Mensch mit all seiner Intelligenz.“ Auch die russische Seite passe sich an, lerne taktisch und technisch dazu. Es wäre eine Dummheit, die russländische Armee und ihre Angriffsfähigkeiten zu unterschätzen, so bequem dies für die Westeuropäer im Moment wäre.
Den Vortrag Zhalobas vor meinem inneren Auge noch einmal Revue passieren lassend, notiere ich die Gedankensplitter:
Das Dümmste, was man über den russisch-ukrainischen Krieg sagen kann, ist, dass er ein dummer Krieg sei.
Manche sprechen von einem „sinnlosen Krieg“ einem „sinnlosen Töten“, einem „kindischen“ Krieg. Den Tod der für die Freiheit ihres Landes Kämpfenden erklären sie damit taxfrei für sinnlos und verweigern das Begreifen der Zusammenhänge und das Urteil über Recht und Unrecht. Alles wird einerlei im trüben Tümpel der Sinnlosigkeit.
Wenn jemand von einem „schrecklichen Krieg“ schreibt oder redet und davon, gegen Gewalt zu sein, wird nicht zwischen Angriff und Verteidigung unterschieden. Hinter diesen Leerformeln verschanzen sich für mein Gefühl zynische Distanziertheit und mangelnde Hilfsbereitschaft.
Der Historiker und Universitätsprofessor Ihor Zhaloba, Präsident der Paneuropa-Union der Ukraine, meldete sich mit 58 Jahren am Tag nach dem Beginn der russländischen Vollinvasion zum ukrainischen Militärdienst.
