Aus dem Logbuch
Von Konstantin Kaiser
In der Zeitschrift Der Sozialdemokratische Kämpfer Nr. 1-3/2026 S. 11, protestiert der Historiker Paul Mychalewicz gegen das Verschwinden des österreichischen Widerstandes aus den Lehrplänen für die AHS-Unterstufe und die Mittelschule.

(Foto: Facebookseite von Romana Deckenbacher)
Es werde zwar für die 4. Klasse ausführlich vorgeschrieben, wie der Nationalsozialismus und seine Auswirkungen einschließlich des Holocaust zu behandeln seien, vom österreichischen Widerstand jedoch sei keine Rede mehr.
Und auch im neuen Lehrplan für die Oberstufe suche man den österreichischen Widerstand vergeblich. Lückenhaft und unzusammenhängend sei außerdem die Geschichtserzählung, die der Lehrplan für die Zeit nach 1945 vorschlage.
Paul Mychalewicz, Chefredakteur der Zeitung der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich Der Freiheitskämpfer, führt das Verschwinden des Widerstands auf einen Paradigmenwechsel in der Geschichtsdidaktik zurück, die nun den Erwerb von Kompetenz über die Kenntnis des Geschehenen stellt.
Mittlerweile kann Mychalewicz im Aprilheft seiner Zeitschrift berichten, dass man sich in der Sache mit den anderen beiden Opferverbänden zusammengetan habe und, um Abhilfe zu schaffen, an die Bildungssprecher von ÖVP und SPÖ herangetreten sei, die ihre Unterstützung zugesagt hätten. Nicht aber habe bisher der zuständige Bundesminister entsprechend reagiert.
Ich erinnere mich, dass auf meine Anregung hin der Verein zur Förderung und Erforschung der antifaschistischen Literatur 2015 eine Broschüre mit didaktischen Materialien zur Exilliteratur herausbrachte, die unentgeltlich an Schulen in Österreich verteilt wurde. Die Resonanz war kümmerlich in Anbetracht eines Exils, in dem, was Österreich an Geist und Verstand besaß, fortlebte, und das durch sein Eintreten für ein unabhängiges Österreich Entscheidendes zum Widerstand beigetragen hatte.
Mit der Ausblendung des Widerstands würde ein wichtiger Ansatz zu einem die Errungenschaften des Landes anerkennenden Österreich-Verständnis verloren gehen. Dass damit der extremen Rechten in die Karten gespielt wird, sollte die HohepriesterInnen des Opfermythos-Mythos zumindest irritieren.
Paul Mychalewicz ist Historiker und Anglist, sowie Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Wien. Von ihm ist 2025 das Buch „Der österreichische Widerstand gegen das NS-Regime“ erschienen.
Zumindest ein aktuell für den Gebrauch im Unterricht angebotenes Schulbuch vermittelt den Eindruck, Österreich habe sich im März 1938 freiwillig dem Deutschen Reich angeschlossen. Unter anderem wird behauptet, in Österreich sei die Mehrheit für den „Anschluss“ gewesen. Davon dürfte Hitler allerdings nicht überzeugt gewesen sein, denn der deutsche Einmarsch erfolgte nicht zufällig am 11. März 1938, also zwei Tage vor der für den 13. März angesetzten Volksabstimmung, bei der sich wahrscheinlich gezeigt hätte, was sich die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung tatsächlich wünscht.
Zwischenwelt International ruft dazu auf, in der Sache an BildungssprecherInnen der Parlamentsparteien zu schreiben (Dr. Heinrich Himmer, SPÖ; Nico Marchetti, ÖVP; Mag.a Martina von Künsberg Sarre, Neos; Mag.a Sigi Maurer, Die Grünen – und der Vollständigkeit halber Hermann Brückl, FPÖ) und darauf hinzuweisen, dass das Wissen um den österreichischen Widerstand und die Gewaltsamkeit des „Anschlusses“ grundlegend für eine demokratische Bewusstseinsbildung ist.
Bitte weisen Sie auf das Buch zum Thema hin:
Martin Malek: „Das Bundesheer steht bereit“. General Alfred Jansa und seine Pläne zum militärischen Widerstand gegen einen deutschen Einnmarsch 1935 – 1938.
Das Kind mit dem Bad auszuschütten, war noch nie ein Triumph des Begriffs!
Bitte merken Sie sich vor: Stimmen über dem Schnee.
Am Mittwoch, 6. Mai 2026, 19 Uhr,
sprechen Halina Petrosanyak und Konstantin Kaiser
über neue Gedichte auf Deutsch und Ukrainisch.
Ort: Bezirksmuseum Neubau, 1070 Wien, Stiftgasse 8.
