Von Redaktion zwischenwelt.international

Auf der einen Seite Stimmenkauf bei jenen Teilen der Bevölkerung, die es sich gar nicht leisten können, zum Angebot von einem Sack Erdäpfel oder gar einem 20.000-Forint-Schein (etwa 50 Euro) nein zu sagen (nicht zufällig wählen die meisten der etwa 800.000 Roma traditionell Fidesz). Auf der anderen Seite all jene Menschen, die dem dichten Netz, das Fidesz über die kleinen Landgemeinden gewoben hat, hilflos ausgeliefert sind, weil sie sonst ihren Job bei der Gemeinde oder Sozialleistungen verlieren, vom örtlichen Arzt (dem einzigen natürlich) nicht behandelt werden, weil ihnen von den Behörden Strom und Wasser abgedreht wird usw usf. Es wird auch von Fällen berichtet, wo man Menschen, die sich der Fidesz nicht unterwerfen, ihre Kinder wegnimmt.
Die Wahlen laufen so ab, dass pro Wahlbezirk 50 bis 100 gut organisierte Leute, ausgestattet mit allen nötigen Utensilien (Fahrzeuge, Geld, Zigaretten, Schnaps, Drogen) auf die Wähler losgelassen werden und dafür sorgen, dass jeder an der Wahl teilnimmt, von dem eine Stimme für Fidesz zu erwarten resp. zu holen ist.
Es gibt vielfältige Methoden, die Stimmabgabe zu kontrollieren. Entweder der Wähler sagt, dass er einen Begleiter in der Wahlzelle braucht, der dann für ihn das Kreuz macht, oder der Wahlzettel wird “vorne am Tisch” ausgefüllt und in anderen Fällen wird einfach der ausgefüllte Stimmzettel mit dem Handy fotografiert. In Altersheimen werden von einer verantwortlichen Person die Wahlzettel en bloc ausgefüllt – auch für Demente, die sich nicht einmal bewusst sind, was eine Wahl sein soll. Angehörigen, die opponieren, wird damit gedroht, dass die Verwandten mangels Platz das Heim verlassen müssen und sie sich deshalb ein anderes Pflegeheim suchen sollen. Am Wahltag werden an die dafür Empfänglichen auch Schnaps und Drogen verteilt. Einer der Einsatzleiter berichtet, dass ihm für den Einsatz 12 Millionen Forint (ca. 31.000 Euro) in die Hand gedrückt wurden, mit denen der nötige Aufwand zu bestreiten war…
Es werden nicht nur die gängigen Wahlpraktiken dokumentiert, sondern es wird auch ein guter Eindruck davon vermittelt, wie das Leben in Ungarn fernab von Budapest und anderen Großstädten wirklich aussieht.
Als Nachbar und Bewohner eines relativ wohlhabenden Landes würde man es nicht für möglich gehalten haben, welch schreckliche Armut nach 16 Jahren Fidesz-Herrschaft nur wenige Kilometer jenseits unserer Grenze herrscht.
Dass die Journalisten bei ihren Recherchen in ländlichen Gemeinden von Exekutivorganen bedroht werden, rundet das Bild nur noch weiter ab. “Sizilien kann hierher zum Training kommen”, sagt einer von ihnen.
Die Dokumentation hat eine Länge von etwa 60 Minuten und jede Minute ist es wert, gesehen zu werden.
„Der Preis der Stimme“
Dokumentation auf Youtube
Tipp am Ende: Die Dokumentation ist in ungarischer Sprache mit englischen Untertiteln. In YouTube lässt sich die Sprache der Untertitel allerdings auswählen und natürlich steht auch Deutsch zur Verfügung. Noch einfacher ist es, so vorhanden, ein Browserplugin zu verwenden, das die komplette Seite ins Deutsche übersetzt.
